getAbstract

10 Minuten mit Patrick Stähler

Richtig gründen – oder das Richtige gründen? Europa braucht mehr und bessere Start-ups, und Unternehmer brauchen bessere Werkzeuge, um wirklich gute, innovative Unternehmen zu gründen, findet Patrick Stähler. Die Devise lautet: Neues und Sinnhaftes schaffen! Während sich viele Experten darauf konzentrieren, wie man gründet, geht es in Stählers Arbeitsbuch vor allem darum, was man gründet – Unternehmen, die den Kunden in den Mittelpunkt stellen.

Lesen auf getAbstract
Herr Stähler, Sie verstehen Ihr Buch als „Werkzeugkasten für Unternehmer“. Was lernen Gründer in Ihrem Buch, was sie noch nirgendwo anders gelesen haben? Im Buch geht es nicht um Lesen und Lernen, sondern um Machen, um besseres Handeln. Ich habe ein Arbeitsbuch geschrieben, mit dem Gründer, aber auch alle, die ihr Unternehmen neuerfinden wollen, strukturiert und gleichzeitige hoch kreativ an ihrem neuen Baby, sprich Unternehmen, arbeiten können.

Ich inspiriere also Gründer nicht das nächste Startup aus Amerika zu kopieren oder ein weiteres Steuerberatungsbüro zu eröffnen, sondern den Mut zu haben, etwas Besonderes zu gründen, was Kunden lieben und von dem sie gut leben können.

Ihnen geht es darum, dass das Richtige gegründet wird. Woher weiß ein Gründer, was richtig oder falsch ist? Der Werkzeugkasten ist für Menschen gedacht, die eine neuartige, besondere Idee für ein Unternehmen sowie den Mut haben, diese genau zu analysieren und umzusetzen. Ob sie mit ihrer Idee Erfolg haben, hängt ganz allein davon ab, wie sie es schaffen, ihre Kunden zu begeistern – in diesem Punkt sind Kunden äußerst anspruchsvoll. In meinem Buch geht es nicht darum, richtig zu gründen – dafür gibt es bereits genügend Literatur. Es geht darum, das Richtige zu gründen.

Weder ich noch irgendein anderer in der Welt kann Gründern die Antwort geben, was genau das Richtige für sie ist. Die Antworten muss jeder Gründer mit dem Werkzeugkasten selbst erarbeiten.

Unternehmer müssen selbst herausfinden, ob sie schon gute Antworten auf die folgenden Fragen gefunden haben:

• Was begeistert ihre Kunden?

• Wie schaffen sie die Begeisterung?

• Womit verdienen sie Geld, sprich wie schaffen sie es, die Begeisterung der Kunden in Geld umzusetzen?

• Wer ist in ihrem Team mit welchen Kompetenzen und welche Werte teilen sie, um das Unternehmen groß und erfolgreich zu machen?

Inwiefern halten Sie den Ort für relevant, an dem gegründet wird – sollte es im Idealfall eine deutsche Metropole sein oder hat auch das Land Vorteile? Die Provinz hat Vorteile, da hier Gründer viel stärker an innovativen Lösungen, die für Kunden relevant sind, arbeiten müssen, da ihnen sonst keiner zuhört. Berlin ist super und gleichzeitig gefährlich, weil alle ganz tolle hippe Ideen haben.

In der Provinz steht Relevanz für Kunden im Vordergrund. In Berlin hippe Ideen, die mit großem Marketingdruck in den Markt gedrückt werden. Jeder kann sich selbst die Frage stellen, in welchem Umfeld er lieber arbeiten möchte.

Klar ist leider, dass wir uns in Europa sehr schwer mit der Finanzierung von Softwaretechnologieunternehmen tun, da wir äußerst wenige Investoren haben, die Software, Cloud oder künstliche Intelligenz als Geschäft verstehen.

In der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ präsentieren deutsche Startups ihre Ideen. Hilft das auch der deutschen Gründerszene? Mein Buch ist nicht für Gründer geschrieben, die in der „Höhle der Löwen“ auftreten wollen. Für die ist Schauspielunterricht wichtiger. Wenn Gründer an den Kernfragen arbeiten und ehrlich zu sich sind, werden sie sowohl Kunden als auch Finanzierung finden. Dafür braucht es einen sehr langen Atmen, aber auch die Ehrlichkeit, dass vielleicht nicht jede Idee wirklich toll ist.

Haben Sie einen allgemeingültigen Tipp, den jeder Gründer beachten sollte? Wecken Sie Liebe! Lieben Sie nicht ihr Produkt, sondern die Aufgabe, die Sie für Ihren Kunden lösen. Glauben Sie an sich, dass es geht. Dieser Optimismus ist nicht mit Schönfärberei zu verwechseln. Sie müssen an Ihre Chance glauben. Die Risiken müssen Ihnen bewusst sein. Aber Sie sollten sich nicht von ihnen beeindrucken lassen. Handeln Sie und reden Sie nicht immer drüber, was man machen könnte. Testen Sie Ihre Ideen frühzeitig. Gründen Sie das Richtige, und es wird gehen.

Kurzbiografie von Patrick Stähler: Patrick Stähler, »Mr. Business Model Innovation«, arbeitet seit über 15 Jahren mit Geschäftsmodellinnovationen. Er ist der »Erfinder« des Business Model Innovation-Konzeptes und erreichte mit seinem englischsprachigen Blog über die letzten Jahre 200.000 Leser. Jetzt kommen die Ideen auch in den deutschen Sprachraum.

Über den Autor

Patrick Stähler, gelernter Bank­kauf­mann und Be­triebs­wirt, ist Gründer und Ge­schäfts­füh­rer der auf Ge­schäfts­mo­dell-In­no­va­tio­nen spe­zia­li­sier­ten Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Fluidminds. Er lehrt unter anderem an der Universität St. Gallen und der Hochschule für Wirtschaft Zürich.

%d Bloggern gefällt das: