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Der Weg zum digitalen Unternehmen ist das Ziel

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Die Welt um uns herum verändert sich mit hoher Geschwindigkeit. Mit der rasanten digitalen Transformation Schritt zu halten, ist eine der großen Herausforderungen der heutigen Zeit. Welche Fähigkeiten sind gefragt, damit ein Unternehmen auch noch in zehn Jahren erfolgreich ist? Die Digitalexperten und Autoren Carsten Hentrich und Michael Pachmajer erklären die verschiedenen Bausteine, um den Plan für ein digitales Unternehmen in die Tat umzusetzen.

getAbstract: Herr Hentrich, Herr Pachmajer, Quarks kennt man eigentlich aus der Teilchenphysik – als Elementarteilchen der Materie. Ihr Buch heißt d.quarks. Wie hängt das zusammen? Immerhin sind Sie Unternehmensberater und keine Teilchenphysiker.

Richtig, wir haben das Quark-Modell aus der Teilchenphysik auf die digitale Transformation übertragen. Die d.quarks sind die Bausteine für den digitalen Wandel eines Unternehmens. Mit intelligenter »Teilchenphysik« lassen sich Sachen entdecken, von denen wir alle bisher nichts wussten – wenn man bereit ist, Teilchen mit viel Energie hoch zu beschleunigen und aufeinanderprallen zu lassen. Kurz: Wer den digitalen Wandel konsequent beschleunigt, hat die Chance, in seinem Unternehmen ungeahntes Potenzial und neue Geschäftsmodelle zu entdecken.

getAbstract: Sie verstehen Ihr Buch also als Navi, ein Wegweiser quasi für den digitalen Wandel. Braucht es das tatsächlich? Man sollte doch meinen, dass Unternehmen alle längst digital gut aufgestellt sind.

Viele Inhaber und Führungskräfte wissen, dass sich die Welt um sie herum geändert hat. Sie haben sogar erste digitale Ideen, aber sie haben keine Ahnung, wie sie diese umsetzen sollen. Ihnen fehlt die Orientierung wie sie mit der digitalen Transformation im Unternehmen beginnen sollen. Sie sind daher unsicher oder warten ab, manchmal zu lange. Mit dem d.quarks-Modell geben wir ihnen die fehlende Orientierung und machen Mut loszulegen.

getAbstract: Was genau wäre also ein d.quark?

Ein d.quark (digital quark) beschreibt eine Fähigkeit, die ein Unternehmen bei der Realisierung digitaler Geschäftsmodelle organisieren, beschaffen, entwickeln muss. Es wird entlang der vier strategischen Dimensionen „Organisation“, „Menschen & Kompetenzen“, „Prozesse“ und „Technologie“ beschrieben.

getAbstract: Und wie viele davon gibt es?

Auf der ersten Ebene haben wir entlang der Wertschöpfungskette und bestimmter Support-Funktionen im Unternehmen 46 Fähigkeiten identifiziert. Diese besitzen in Summe weitere 200 Sub d.quarks.

getAbstract: Muss jedes Unternehmen alle d.quarks umsetzen, um den Weg bis zum Ende zu gehen?

Wenn das Unternehmen ein plattform-orientiertes Geschäftsmodell aufbauen will, dann ja. Ansonsten hängt es vom digitalen Geschäftsmodelltypen ab, wie viele d.quarks für deren Realisierung gebraucht werden.

getAbstract: Die Digitalisierung ist ein Prozess: Welche Fehler machen Unternehmen bei der Umsetzung am häufigsten?

Sie denken, dass die Einführung neuer Technologien oder die Automatisierung von Prozessen bereits alles ist. Dabei ist das nur eine Seite der digitalen Medaille. Die andere Seite ist die Kulturveränderung. Das wird sehr oft unterschätzt, dass die digitale Transformation kein Tech-Change, sondern ein People-Change ist. Und die Verantwortung für diesen Veränderungsprozess kann nicht von den Inhabern oder der Geschäftsleitung delegiert werden. Das ist Chefsache.

getAbstract: Die Digitalisierung ist zwischenzeitlich auch zum Politikum geworden. An welchen Stellschrauben müssen die Politiker in Deutschland Ihrer Meinung nach noch drehen? Haben Sie Vergleichswerte aus der Schweiz oder Österreich? Was macht man hier besser?

Die Digitalisierungsdebatte wird leider derzeit immer wieder auf die drei Themen Schnelles Internet, Datenschutz und Arbeitsplatzabbau verkürzt. Es mangelt an einer Diskussion über die Chancen der Digitalisierung, über die Frage, welche Fähigkeiten muss der Staat aufbauen, um die digitale Transformation der Gesellschaft erfolgreich zu meistern. Wenn Wertschöpfung zukünftig durch Algorithmen und weniger durch die Arbeitskraft erzeugt wird, dann müssen wir über einen Übergang von der Arbeits- in eine Aufgabengesellschaft nachdenken, in der gesellschaftlich relevante Aufgaben z.B. in der Bildung, Pflege oder Kunst eine andere Wertschätzung und Bezahlung erfahren als heute. Auch müssen wir eine Haltung zu der Macht von einigen wenigen Plattformbetreibern entwickeln, die in viele Lebensbereiche vordringen und uns vorschreiben, was wir zu lesen, zu kaufen, zu konsumieren haben. Wir brauchen eine Debatte über unsere Rechte an unseren Daten in dem Sinne, dass wir mehr Transparenz brauchen und das Recht auf Löschen und Veränderung unserer eigenen Daten-Profile. Es sind ethische Fragen zu beantworten die darauf abzielen zu klären, wie viele Entscheidungsmacht wir in Maschine und autonome Systeme verlagern wollen und an welcher Stelle der Mensch weiterhin die letzte Entscheidungsinstanz ist. Letztendlich müssen wir verstehen, dass wir uns in einem gesellschaftlichen Transformationsprozess befinden, der auch Verlierer haben kann. Menschen, deren repetitive, regelbasierte Tätigkeiten von der Maschine übernommen werden. Es ist unsere gesellschaftliche Verantwortung zu klären, was mit den FließbandarbeiterInnen passiert, die wir nicht alle zu Data Scientists umschulen werden.

Über Michael Pachmajer und Carsten Hentrich

Michael Pachmajer und Carsten Hentrich sind Berater mit dem digitalen touch und Direktoren im Consulting bei PwC und verantworten dort im Kundensegment Familienunternehmen und Mittelstand den Beratungsschwerpunkt Digitale Transformation. Sie arbeiten seit vielen Jahren in Management- und Technologieberatungen sowie in unterschiedlichen Rollen in Industrieunternehmen.

Beide sind Autoren des Buchs „d.quarks – Der Weg zum digitalen Unternehmen“, das zum Managementbuch des Jahres 2016 ausgezeichnet wurde und den getAbstract International Book Award 2017 gewann.

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